Was für eine Nacht! Erst dachte ich, draußen endlich einmal einen Bären zu hören, aber nein, es kam aus dem Inneren des Fahrzeuges und entpuppte sich als mein schnarchender Ehemann. ;-) Später huschte irgendetwas über das Dach unseres Campers, Eichhörnchen oder Chipmunks? Das nächste Mal wurde ich morgens um 6.00 h geweckt als einer unserer Nachbarn Holz hackte. Ich hatte zunächst Mitleid, da ich dachte, die armen Jungs hätten nachts im Zelt so gefroren und müssten sich nun aufwärmen. Aber weit gefehlt. Beim Frühstück erzählte uns unsere Nachbarin zur linken (eine junge Berlinerin, die ein Jahr lang mit ihrem australischen Freund durch die USA und Canada reist und "jetzt in Banff endlich mal etwas Geld verdienen muss"), dass die "armen" Jungs die Nacht auf dem Campground zum Tag gemacht und reichlich viel getrunken haben. Als sich andere Camper beschwert haben, sind sie noch in die Stadt gefahren und haben offenbar dort weiter gefeiert. Als sie zurück kamen hackten sie Holz, machten sich ein Feuerchen und schliefen dann ihren Rausch aus. Ihren Picknicktisch verließen sie genau so, wie man es nicht tun sollte, nämlich mit Essensresten, die auch prompt zwei riesige Krähen anlockten. Die beiden verwüsteten den Platz ziemlich, ohne dass sich im Zelt jemand rappelte (Komasaufen auf Kanadisch). Überall wird davor gewarnt Essen außerhalb des Fahrzeuges aufzubewahren, damit nicht z.B. Bären angelockt und an Menschen gewöhnt werden. Schon kurze Zeit später erschien die Parkaufsicht, versuchte die Jungs zu wecken und entsorgte schließlich alle Essensreste auf ihrem Platz. Später werden die Jungs bestimmt einen Platzverweis erhalten.
Zum Glück war die Nacht nicht mehr so kalt (oder vielleicht werden wir schon etwas kanadischer und gewöhnen uns an das Wetter?), so dass wir beschlossen draußen zu Frühstücken. Toll, da schmeckt der Kaffee gleich doppelt so gut und es ist spannend zu sehen, wie das Leben auf dem Campingplatz erwacht (außer die Trunkenbolde).
So gestärkt machten wir uns auf in Richtung Lake Louise. Auf dem Weg dorthin liegt der Johnston Canyon, der eine Wanderung zu Wasserfällen bereit hält. Doch obwohl wir recht früh dran waren, bekamen wir keinen Parkplatz mehr. Ja, Schönwetter-Wochenende, da hatten mehrere das gleiche Ziel wie wir. Also, antizyklisch handeln, sprich wir heben uns den Canyon für später auf und biegen ersteinmal ab in den an den Banff National Park angrenzenden Kootenay National Park. Dieser Park ist eher ein Geheimtipp, weniger überlaufen, dafür aber nicht minder schön.
Die Parkgrenze ist gleichzeitig die Grenze zu British Columbia, der Nachbarprovinz von Alberta. Und schließlich verläuft auch hier die kontinentale Wasserscheide, sprich alles Wasser links von hier (je nach Bllickrichtung) fließt in den Atlantik und alles rechts der Continental Divide in den Pazifik.
In den Jahren 1965 und 2003 wüteten im Kootenay National Park starke Waldbrände. Das Feuer vor 9 Jahren konnte erst nach 40 Tagen gelöscht werden und vernichtete 12 % des gesamten Nationalparks. Die Pflanze, die sich nach Waldbränden als erstes wieder ansiedelt ist das unserem Buschwindröschen ähnliche "fireweed". An der Wasserscheide verläuft einer kleiner Lehrpfad, der "Fireweed trail". Die Landschaft um uns herum wirkt noch immer etwas geisterhaft, aber es ist schön zu sehen, wie sich die Pflanzen- und Tierwelt ihren Lebensraum zurück erobert.
Und auch dieser kleine Kerl hier schien sich recht wohl zu fühlen.
Ein Stückchen weiter wollten wir gerne zu den "Paint Pots" wandern, kleine ockerfarbene Lehmtümpel, die schon die First Nations aufsuchten um die Farben zur Kriegsbemalung zu nutzen. Soweit kamen wir leider nicht, da die Brücke über den Vermillion River fortgespült war.
Nur wenige Kilometer weiter hielten wir an den "Numa Falls", einem kleinem Wasserfall.
Entlang der Straße gab es wieder schöne Gebirgslandschaften zu sehen, und je südlicher wir kamen, desto weniger sichtbar waren die Waldbrandschäden.
Unser Tagesziel war der Ort Radium Hot Springs, von Dirk in Anlehnung an den "Cars"-Film stets "Radiator Springs" genannt. Wie der Name schon sagt gibt es auch dort heiße Quellen, die wir morgen früh aufsuchen wollen.
Die Nacht verbringen wir auf dem Redstreak Campground, wieder einem staatlichen Platz, schön in der Natur gelegen. Wir sind umzingelt von Eichhörnchen, die sich gegenseitig durch die Bäume jagen und dabei einen Höllenlärm machen. Puh, sollte dies ihre Art des Liebesspiels sein, möchte ich nicht als Eichhörnchen wiedergeboren werden.
Vorhin beim Abendessen fühlten wir uns leicht beobachtet, denn ca. 50 - 60 m von uns entfernt lagen 4 Bighorn Sheeps am Hang und verfolgten genau, was hier auf dem Campingplatz so vor sich geht. Jetzt geht hier nichts mehr vor sich, das Lagerfeuer ist aus und wir gehen schlafen. Have a good night!
Karte unserer heutigen Tour
Karte unserer heutigen Tour
Ihr Lieben!
AntwortenLöschenBin auch eine von den Vielklickern und das nicht nur, weil ich auf den ersten Elch warte. Freue mich über eure tierische Begleitung von blauschwänzigen Vögeln, Eichhörnchen und natürlich den Bärentatzen. Von dem big-horns habe ich mittlerweile eine recht eigenartige Vorstellung und bevor ich die jetzt google, warte ich mal ab, vielleicht laufen sie euch noch ins Bild, genau wie der Elch.
Mit besten Grüßen
Marion