Auf geht es heute in den Yoho National Park, der wieder "drüben" in British Columbia liegt. "Yoho" heißt in der Sprache der Cree-Indianer "sehen/staunen", das klingt viel versprechend. Zudem gibt es im Yoho National Park 28 Berge über 3000 m Höhe zu sehen, da wollten wir auch "Yoho"en. Dafür mussten wir wieder den Trans Canada Highway befahren, der gerade zu Beginn einige Baustellen aufwies. Bis zum Winter, und der kommt hier ganz bald, müssen noch einige Straßenbeläge und Brückenarbeiten fertig werden.
Die Strecke führt zunächst über den "Kicking Horse Pass", allein das klingt doch schon nach Wildnis und Abenteuer. Das Gebiet des heutigen Nationalparks war für die Arbeiter der Canadian Pacific Railroad ebenfalls ein Abenteuer, denn hier musste beim Eisenbahnbau eine Steigung von bis zu 4,5 % überwunden werden. Klingt jetzt nicht so viel, aber die Steigung konnte nur mittels zweier Spiraltunnel gemeistert werden, die für die damalige Zeit eine bauliche Höchstleistung darstellte. Bislang kannten wir diese Tunnel nur aus dem Miniaturwunderland in Hamburg, doch jetzt sahen wir ihn live!
Leider kam gerade kein Zug vorbei. Die Züge sind hier im Regelfall so lang, dass man noch Wagen vor der Einfahrt sehen kann, während die Lokomotiven schon auf der anderen Seite des Tunnels wieder herausfahren.
Kurze Zeit später bogen wir in die Yoho Valley Road ab, an deren Beginn sich der Kicking Horse Campground befindet. Sah sehr nett aus, da würden wir abends gerne unterkommen wollen. Doch jetzt waren die "Takakkaw Falls", die zweithöchsten Wasserfälle Kanadas, unser Ziel. Die Straße dorthin hat einige Kehren, die für Wohnmobile ab 7 Metern Länge nur mit der "Bustaktik" befahrbar sein sollen: Ab der ersten Kehre soll man das kurze gerade Stück bis zur zweiten Kehre rückwärts fahren, dann problemlos weiter. So stand es im Reiseführer und das dazugehörige Bild haben wir auch vorher eingehend studiert.
Und nun stehst du hier in Kanadas Wildnis und du machst es doch falsch: wir sind das kurze Stück vorwärts gefahren und haben uns für den Rückwärtsteil eine kurvige lange Strecke übrig gelassen. Die Insassen im Pkw hinter (oder soll ich sagen vor) uns haben sich köstlich amüsiert. Außerdem mussten wir uns zunächst einmal orientieren auf welcher Straßenseite wir überhaupt fahren müssen, sehr ungewohnt. Es soll ja Menschen geben, die die Kurven unterschätzen, denken dass sie sie so nehmen können und sich dann in den Kurven festsetzen, tja, alles schon vorgekommen (ich nenne jetzt KEINE Namen). Aber auf der Rückfahrt hat Dirk dann bewiesen, dass man die Kehren auch mit einem 22 Feet-Wohnmobil ohne dieses Manöver bewältigen kann. Muss ähnlich wie das Feuer machen so ein "Männerding" sein. ;-)
Mein Cree-Sprachkurs hat mich gelehrt, dass Takakkaw soviel wie "wunderschön" bedeutet, und ja, das stimmt. Die Fälle sind über 300m hoch, die reine Fallhöhe beträgt 254 m. Schon von weitem hört man das Rauschen.
Dirk war ziemlich mutig, in diesem Teil Kanadas und zur jetzigen Zeit seinen neuen "Toronto Maple Leafs"-Pullover zu tragen. Dieser sorgte bei den Kanadiern, die ebenfalls die Wasserfälle besuchten, für fast genauso viel Aufsehen wie die Fälle selbst. Das Thema Eishockey ist hier auch ohne NHL-Saison allgegenwärtig. Für alle Nichteingeweihten hier mein laienhafter Erklärungsversuch der Situation: Die Ligabosse und die Spielergewerkschaft können sich nicht auf einen Tarifvertrag einigen. Daher wurde ein so genannter "lock out" beschlossen, sprich die Spiele wurden bis auf weiteres abgesagt und die Spieler ausgesperrt. Zum Teil haben einige Spieler nun vorläufige Verträge in Europa erhalten. Schade, wir hätten gerne noch ein Vorbereitungsspiel der Calgary Flames gesehen, aber so haben wir ja mindestens einen Grund in ein paar Jahren nocheinmal hierher zu kommen. Die Kommentare zu Dirks Pulli reichten von "Thanks for supporting millionaires" über "Get them back on ice" und "There is someone wearing the wrong uniform" bis hin zu "You must be a brave man to wear this shirt".
Zum Glück wurde es eh bald zu warm für den Pullover, ich hab ihn erstmal hinten im Kleiderschrank verstaut.
Auf der Rückfahrt hielten wir an einer Stelle, an der der Yoho River und der Kicking Horse River zusammentreffen. Der Kicking Horse River ist bis hierhin relativ blau und mischt sich hier mit dem Yoho River. Dessen milchige Farbe ist dadurch bedingt, dass der Yoho River von einem Gletscher gespeist wird und auf seinem Weg jede Menge Gesteinsmehl mit sich führt.
Wie ihr seht, hat es uns einen Reisenspaß gemacht auf den Steinen am Ufer herumzukraxeln.
Unser nächstes Ziel war Field, eine kleine Stadt, die ihre Existenz einzig und allein dem Eisenbahnbau zu verdanken hat. In Field stehen häufig Eisenbahnen Schlange (da ist es wieder dieses Wort), darauf wartend, nach und nach in den Spiraltunnel einfahren zu dürfen.
Schließlich legten wir noch einen Halt am Emerald Lake ein, wieder einem wunderschön gelegenen Bergsee. Das Foto ist nicht verkehrt herum eingestellt, hier habe ich lediglich die Spiegelung im Wasser fotografiert.
Das ganze Panorama sieht so aus:
Auf dem Rückweg hielten wir an der "Natural Bridge", eine Stelle, an der der Fluss sich auf ganz besondere Art einen Weg durch das Gestein gesucht hat. Irre zu sehen, zu hören und wenn man sehr nah dran ist auch zu spüren, welche Kraft Wasser entfalten kann.
Ross and Vicky, we took this picture of Mount Dennis. Please ask Xedorsky if he knows a good story why this "rock" is named after him. We are sure, he has a good one!!!
Auf der Weiterfahrt entdeckten wir in der Nähe eines Tümpels ein Tier, dass ich im ersten Moment als Elch identifizierte. Doch leider nein, ich muss also noch weiter suchen, vielleicht kommen wir doch noch nicht nach Hause, denn beim näheren Hinsehen entpuppte sich die vermeintliche Elchkuh als "Hirschkuh" (Frage an meine Lieblinstierärztin: Uta, ist der Ausdruck biologisch korrekt?).
Immerhin, endlich mal haben wir ein "größeres" Tier zu sehen bekommen.
Und auf unserer ganz persönlichen Campingplatz-Bestenliste gibt es nun einen neuen Spitzenreiter: den Kicking Horse Campground. Wir haben einen Stellplatz fast direkt am Wasser gefunden. Das Rauschen des Flusses begleitet uns schon den gesamten Abend. Eben waren wir mit Campingstühlen, Mütze und Decke bewaffnet direkt am Ufer und haben die Sonne hinter einem der 3000er untergehen sehen.
Hier sind wir auf unserem #1-Stellplatz, durch die Bäume ist ein wenig vom Fluss zu sehen.
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