Habe ich die Nacht zuvor schon schlecht geschlafen, dann war die letzte Nacht das Pendant für Dirk. Kaum war unser Feuer runtergebrannt und wir im Bett, hörte ich mal wieder lauter Geräusche aus den umliegenden Wäldern. Aber egal, dachte ich mir, auch wenn mir lauter Plots für einen Psychothriller auf Campingplätzen einfielen. Einfach Augen zu und durch und ja nicht an den Film "The hills have eyes" denken. Ich bin dann relativ bald eingeschlafen, auch wenn es draußen raschelte und kratzte.
Irgendwann, genauer gesagt um 2.00 h wurde Dirk davon wach und hatte nun - wie er später kleinlaut zugab - ähnliche Ängste wie ich nachts zuvor. Nun kam noch ein buddelndes und schnüffelndes Geräusch dazu, immer rund um unseren Wagen herum. Toll, nun wollten wir endlich mal einen Bären sehen uns trauen uns nicht ans Fenster, da könnte ja ein Redneck mit ner Axt stehen...
Schließlich nahm Dirk das Nachtsichtgerät, ging zur Frontscheibe unseres Wagens und sah gerade noch, wie ein Bärenjunges in Sekundenschnelle weg- und auf den nächsten Baum rannte. Der soll so fix gewesen sein, jetzt wissen wir, woher der Ausdruck "auf dem Baum sein" kommt.
Dirk legte sich wieder hin, nur um um 5.00h von den gleichen Geräuschen wieder geweckt zu werden. Aus Angst vor der Bärenmama verhielt er sich aber ganz ruhig und wagte es auch nicht, mich zu wecken. Naja, wenigstens hat zumindest einer von uns nun schon einen Bären gesehen, auch wenn es eigentlich nur noch der Pummelhintern von einem Bärchen war.
Später setzten wir unsere Fahrt fort, wieder zurück in den Banff National Park auf den Icefields Parkway.
An einem Berghang sah ich weiße Punkte, die sich bei einem Blick durchs Fernglas als "Mountain goats", also als Bergziegen entpuppten. "Unsere" Bergziege würde es mit Sicherheit auch in das Gelände schaffen, sie bringt uns gut über die Berge, auch wenn der Herd im Inneren des Wagens auf unebener Strecke ganz schön klappert (auf so einer Reise lernt man, wozu Wäscheleinen so alles gut sein können).
Über einige Pässe, hier die "Big Bend", eine ausladende Kurve mit toller Aussicht, erreichten wir bald die Parkgrenze zum Jasper National Park. Und hier, am anderen Ende der Welt läuft uns ein Tourist mit einem Hannover-T-Shirt über den Weg. Ich hatte kurz überlegt ihn anzusprechen...
Im Jasper National Park erwartete uns ein Highlight der gesamten bisherigen Reise: das Columbia Icefield, auf das wir im Rahmen einer Tour fahren konnten. Das Columbia Icefield liegt in 3000m Höhe und ist das Überbleibsel eines riesigen Eisfeldes, das einmal den Westen Kanadas bedeckte. Es besteht heute aus ca. 325 km2 Eis, das bis zu 360 m dick ist. Von der Straße aus ist die Gletscherzunge des Athabasca Glacier zu sehen.
Mit dem "Ice Explorer" ging es hinauf auf den Gletscher.
Von diesen Spezialfahrzeugen gibt es weltweit nur 23 Stück, wovon 22 hier vor Ort im Einsatz sind. Das 23. gehört der U.S. amerikanischen Regierung ("If there are Americans joining this tour, now you know what happens to your taxes"). Jetzt kam dann doch mein früherer Job mit mir durch, denn das erste was ich Jason, unseren Tourguide, fragte war, ob er für die Fahrzeuge eine besondere Fahrerlaubnis bräuchte. (Brauchen die Jungs nicht, sie haben eh alle einen Busführerschein und der Rest sei ja "offroad").
Was hier aussieht wie eine Polarexpedition sind wir beide im kanadischen, noch hoffentlich lange ewigem Eis.
Etwa eine halbe Stunde später erreichten wir die "Sunwapta Falls", Wasserfälle im gleichnamigen Fluß. In der Sprache der Stoney-Indianer bedeutet "Sunwapta" so viel wie "turbulenter Fluß". Da wir langsam hungrig wurden, schenkten wir uns den 1,5 km langen Weg zu den "Lower Falls" und blieben in Parkplatznähe bei den "Upper Falls".
Jetzt wollten wir schnell nach Jasper durchrauschen, doch Pustekuchen. Eine Ansammlung von parkenden Fahrzeugen am Straßenrand, deren Insassen bewaffnet mit Videokameras, Ferngläsern und Fotoobjektiven, für die man einen Waffenschein bräuchte, alle gebannt auf eine Wiese starrten, ließen auf Tiersichtungen schließen. Also, rein in die Bremsen, rechts ausgeschert und ebenfalls auf die Wiese, bzw. in den Wald dahinter gestarrt. Auf einer Lichtung solle man eine Elchkuh und einen Elchbullen sehen können. Hm, meine erste Elchbegegnung hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Die Männer mit ihren Riesenobjektiven konnten die Tiere nicht wirklich gut einfangen. Wir wollten schon fast wieder ins Auto einsteigen, als ich die Kuh dann doch durchs Fernglas ausmachen konnte. Der Bulle hielt sich zunächst irgendwo im Wald versteckt.
Nun wurde es doch ganz lustig, denn zusammengeschweißt durch das gemeinsame Naturerlebnis (wohl gemerkt vom Straßenrand aus) kamen wir Touristen miteinander ins Gespräch. "Is it a bear?" - "No, there should be two moose, a cow and a bull." - "A bull, eh." ("eh" benutzen die Kanadier als Füllwort für so ziemlich alles, um eine Frage zu kennzeichnen, ihre Antwort zu unbterstreichen oder einfach nur um Zeit zu schinden. Häng einfach ein "eh" hinter jeden Satz, und schon fragen sie dich, wie lange du schon in Kanada lebst.) :-) - "Nice trees over here." - "We should call our group "Moose Travel United." Dann ein lautes "ooooooh" und "aaaaaah", man sah den Kopf und das Geweih des Bullen. Wow, der muss riesig sein!!!
Einen ganzen Elch haben wir ja nun nicht gesehen, insofern ist unsere Vorgabe "wir kommen erst zurück, wenn wir einen ECHTEN Elch gesehen haben" noch nicht erfüllt. Tja, dann müssen wir wohl noch verlängern....schön wär's, denn dieses "Vagabundenleben", mal sehen wo wir morgen sind, das gefällt uns ausgesprochen gut.
Doch nun endlich weiter, mit einem leeren Magen fehlt einem einfach die Geduld für lange Tierbeobachtungen, insbesondere wenn sich die Elche so gut tarnen können. Kurz vor Jasper erreichten wir den "Whistlers Campground", ein Campingplatz mit 781 (!) Stellplätzen. Der einzige Platz, der hier momentan noch geöffnet hat. Dennoch, man hat durchaus seine Privatsphäre, denn die Plätze sind einfallsreich zwischen den Bäumen angelegt. Trotzdem mussten wir ein ganzes Stück fahren, bis wir unseren Platz erreicht hatten.
Wir sind dann eben noch nach Jasper reingefahren, weil wir ml wieder Lust auf "Essen gehen" hatten. Gute Entscheidung, denn gerade als wir im Ort ankamen, traf auch der "Rocky Mountaineer" ein, der legendäre Passagierzug, mit dem man die Rocky Mountains (zumindest teilweise) durchfahren kann. Dirk ist zum Wagen zurück gegangen, weil er etwas vergssen hatte, und konnte ihn so kurz filmen. Ich hatte die Kamera leider nicht dabei. Uli & Claudia, die Tour mit dem Zug sollten wir wirklich mal gemeinsam machen, wir freuen uns jedenfalls drauf!!!
Abendessen gab es dann in der "Jasper Brewing Company", sehr lecker. Zum Nachtisch, einem "Bourbon Pecan Pie" hätte Steffi aus dem Schlemmerbistro nur ein Wort gesagt: "SÜÜÜÜÜÜNDE!!!!"
Karte unserer heutigen Tour
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